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22. Oktober 2007

Perspektiven

Heute kommt der letzte offizielle Punkt des Programms: die Graduierungszeremonie. Endlich - die letzten Wochen waren noch mal eine Quälerei. Jetzt aber ist alles gut und ich habe die Ehre, im Namen der Teilnehmer ein paar Worte zum Abschied sagen zu dürfen. Wer an der Teilnahme verhindert ist oder einfach nicht fünf Stunden warten kann, dem sei vorab verraten, dass dem Anlass angemessen der Tenor ein positiver sein wird. Vornehmlich, aber nicht nur. Denn weite Teile des Programms waren rückblickend schlecht geplant, schlecht organisiert, schlecht gemacht. Und das betrifft alle beteiligten Institutionen von der Kommission, den Koordinatoren in Paris und Seoul bis hin zur Sprachschule hier. Aber Spaß gemacht hat es auch und war eine sehr interessante Erfahrung. Und manche der Fremden, die ich hier kennengelernt habe, sind Freunde geworden und werden es auch bleiben. Sehr bereichernd.

Nach vorne schauend und die nähere Zukunft bis zu unserer Abreise Anfang Dezember planend, lese ich dieses Blog. Und freue mich auf noch mal ganz andere Erfahrungen!

13. August 2007

Warum es Ausländer in Korea schwer haben

Häufig wird angenommen, dass der Grund für die geringe Präsenz deutscher Unternehmen in Korea sei, dass es nicht genügend qualifizierte Führungskräfte gibt, die sich in diesem Kulturkreis bewegen können. Daher hat ja die Europäische Kommission auch das ETP-Korea aufgesetzt. Mehr Europäer mit Koreanischkenntnissen = mehr Export nach Korea, so die verkürzte Formel der Hoffnung. Dies ist sicher nicht schädlich, aber reichen tut das wohl nicht. Schauen wir uns doch mal folgende Tabelle an. Sie beschreibt das durchschnittliche Vertrauen von Koreanern zu verschiedenen Personengruppen auf einer Skala von 1 - 100. Einfach mal wirken lassen.
PersonengruppeVertrauensindex
Ehepartner100
Eltern100
Kinder100
Brüder/Schwestern100
Neffen/Nichten99
Cousins97
Andere Verwandte96
Klassenkameraden der Oberschule97
Kommilitionen der Hochschule85
Klassenkameraden der Grundschule50
Ehemaliger Mitschüler oder Kommilitone80
Menschen mit dem gleichen Nachnamen70
Menschen aus der gleichen Region70
Menschen aus einer anderen Region60
Kollegen, die für die gleiche Firma arbeiten90
Menschen mit dem gleichen Beruf80
Menschen mit dem gleichen Hobby70
Nachbarn70
Mitglieder der gleichen Kirchengemeinde95
Menschen der gleichen Konfession80
Menschen anderer Konfessionen70
Menschen mit anderer Religion40
Fremde (Koreaner)5
Ausländer (ohne weitere Beziehungen)1

Aus Chan Sup Chang, Nahn Joo Chang: Behavioural Patterns of Koreans. In: The Korean Management System: Cultural, Political, Economic Foundations, S. 45-57. Westport 1994. ISBN 0-89930-858-9

Wenn man berücksichtigt, dass die Koreaner von 1231 bis 1945 eigentlich permanent unter fremder Herrschaft (Mongolen, Chinesen und Japaner) waren und dementsprechend geartet die Kontakte zu Ausländern waren, eigentlich gar nicht so überraschend. Bleibt also die Preisfrage: Was muss man wohl tun, um als Ausländer in Korea erfolgreich Geschäfte machen zu können?

19. Juli 2007

Praktikum bei Samsung


Seit gestern arbeite ich hier in Kangnam. Bestandteil des ETP ist ja ein längeres Praktikum in einem koreanischen Unternehmen. Gar nicht so einfach, hier eine Stelle zu finden. Trotz mehrerer vielversprechender Kontakte (ohne die es in Korea nicht funktioniert) und sogar konkreten Zusagen - die dann wieder zurückgezogen wurden - hatte sich bis vor einer Woche noch kein Platz herauskristallisiert. Zwei Gründe spielen eine Rolle: zum einen sind Praktika hier in Korea so gut wie unbekannt und zum anderen herrscht hier eine "last minute"-Mentalität vor, so dass die notwendige Unterstützung seitens der Yonsei-Universität erst in allerletzter Minute kam. Ohne den Einfluss der altgedienten Professoren dort hätte drei Viertel unserer Gruppe keinen Praktikumsplatz gefunden.

Nun bin ich aber im Schoß des Samsung Economic Research Institute (SERI) aufgenommen worden. Zwar Bestandteil des Samsung-Konzerns, aber dennoch eine (teilweise) unabhängige Forschungseinrichtung, welche Politik und Wirtschaft berät. Ich werde im Bereich "Global Studies" tätig sein und mich mit den laufenden Verhandlungen zwischen EU und Korea zu einem Freihandelsabkommen beschäftigen. Meinen Bereichsleiter habe ich noch nicht gesehen, der war gestern beim Wirtschaftsminister und hat sich heute nicht blicken lassen. Ich bin gespannt, was mich hier erwartet und freue mich auf den neuen Abschnitt. Parallel zum Praktikum werde ich einen Businessplan erstellen und eine Abschlusspräsentation vorbereiten. Drei Stunden Sprachunterricht pro Woche gibt es zudem.

11. Juli 2007

ETP-Japan-Teilnehmer im Netz


Ich habe gerade das Blog von Chiara entdeckt, die am ETP Japan 25 teilnimmt. Dort sind viele Bilder und einige italienische Kommentare zu finden. Oben sieht man sie beim Kirschblütenfest, welches ja auch hier in Korea zelebriert wird.

Jorge, der momentan ebenfalls in Tokyo ist, schreibt über seine Erlebnisse auf Spanisch. Sehr neidisch bin ich auf seine sehr schönen Photos.

4. Juli 2007

20-15-13-11

Nicht die Lottozahlen, für manche aber trotzdem lucky numbers: Für die nächste Runde ETP Korea haben sich 20 Personen beworben, von denen sind 15 letzte Woche nach Brüssel zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. 13 sind erschienen, von denen wiederum wurden 11 auserkoren, ab Oktober am 6. Executive Training Programme in Korea teilzunehmen. Wenn derer alle den Vertrag mit der Europäischen Kommission unterschreiben, bleibt immerhin eine Quote von 55% (hoffentlich) Glücklichen übrig. Ich drücke alle Daumen, dass die Hoffnungen in Erfüllung gehen. Realismus bezüglich damit verbundener Erwartungen ist allerdings angesagt. Die laut Ankündigungen versprochenen sechs Monate Sprachtraining sind zum Beispiel nicht auf Vollzeitbasis zu verstehen.

Was die finanzielle Seite des Programms betrifft, so kann, wer mag, ja mal die (neuerdings erhöhten) 2.000 € Zuschuss/Monat mit den Einkommenseinbußen zuzüglich den Reise- und Unterbringungskosten für das gesamte Jahr (in Paris, London, Mailand und Seoul) gegenrechnen. Nicht sehr lukrativ - im Gegenteil. Für die meisten im Programm eine große persönliche Investition. Anders gesehen: Meiner Einschätzung nach haben wir in den vergangenen Monaten ungefähr soviel Koreanisch gelernt, wie man in drei regulären 10-Wochen-Kursen am KLI auch hätte lernen können. Wenn man nur auf das Koreanischlernen wert legt, ist man damit sicher besser bedient und schneller am Ziel. Was in unserem Programm zusätzlich geboten wird, sind kulturelle Hintergrundinformationen, MBA-Vorlesungen, Kontakte zur Europäischen Gemeinschaft hier in Korea und darüberhinaus und insbesondere wertvolle Verbindungen zu den Professoren, die hier großen Einfluß im Geschäftsleben haben. Ob und wie das mit Geld aufzuwiegen ist, bleibt natürlich dahingestellt. Wer also nicht akzeptiert wurde, sollte sich nicht grämen, sondern überlegen, ob die selbstgesetzten Ziele nicht auch auf anderem Wege zu erreichen sind. Ganz im Ernst.

24. April 2007

ETP-Promotion 2

Gerade frisch reingekommen: der neue ETP-Korea-Newsletter April 2007 des FKCCI.

ETP-Promotion

Die FKCCI hat einen Newsletter über das ETP-Programm veröffentlicht - die Bewerbungsfrist für Interessenten ist der 15. Mai 2007. Also los! Bei Interesse gebe ich gerne meine Erfahrungen mit der Bewerbung weiter.

Die französisch-koreanische Handelskammer hier in Seoul übernimmt die Koordination und Promotion des Programms und hat damit die Arbeit der deutsch-koreanischen Handelskammer abgelöst. (Die Kommission war mit der im letzten Jahr geleisteten Arbeit nicht zufrieden, wie mir erzählt wurde.)

10. November 2006

Live from London

Dieses schoene Bild zu meiner Linken habe ich leider bisher nicht in Natura geniessen koennen. Denn ich werde hier in einem koreanischen Arbeitslager festgehalten, in welchem ich von morgens bis abends eine Gehirnwaesche verpasst bekomme. Dass ich mich von hier aus melden kann, ist nur einem gluecklichen Zufall in Form einer Luecke in der Firewall der Bibliothek zu verdanken. Wenn mich meine Folterknechte erwischen, bekomme ich bestimmt einen doppelt so harten Test am Samstag aufgebrummt. Also pscht!

Wir haben taeglich sechs Zeitstunden Intensivunterricht (Schreiben lernen, Hoerverstehen trainieren, Vokabeln aufnehmen, Grammatik ueben) und da man sich viel fuer uns vorgenommen hat, bekommen wir taeglich unter anderem eine Vokabelliste von etwa 50 - 100 Woertern, welche wir am naechsten Tag beherrschen sollen. Dummerweise ist aber aufgrund des Pensums nicht genug Zeit, um alles nach dem Unterricht zu wiederholen, so dass ich von Tag zu Tag ein groesseres Defizit aufbaue und die Frustration zunimmt. Den anderen geht es genauso, so dass die Stimmung in den Gruppen nicht gerade euphorisch ist. Eine der Italienerinnen hat mir erzaehlt, dass sie nachts schon nicht mehr schlafen kann und vollkommen fertig ist. Das gemeinsame Programm nach Feierabend ist dementsprechend. Naemlich nicht vorhanden. Ab naechster Woche habe ich eine Stunde pro Woche Online-Tutoring - mal sehen, ob da der Berg groesser oder kleiner wird. Ich freue mich jedenfalls schon auf den naechsten Aufenthalt in Paris, da wird es sicher etwas entspannter. Muss vorher nur noch das 500-seitige Geschichtsbuch durchlesen und ein Essay schreiben...

2. August 2006

Die Hürde ist genommen!

Perfekt! Jetzt habe ich die Bestätigung, dass auch mein Sponsorunternehmen grünes Licht nach Brüssel gegeben hat. Somit können die Vorbereitungen starten. Das "Executive Training Programme" teilt sich in zwei Abschnitte, einen in Europa und einen in Korea. Termine und Programmpunkte sind wie folgt:

European Inception Module (10.2006 - 02.2007)
  • 18. - 20. Oktober: Einführung und globale Politik (Paris)
  • 6. - 11. November: Koreanische Sprache und Geschichte (London)
  • 4. - 8. Dezember: Koreanische Geschichte, Kultur, Politik und gesellschaftliche Fragen (Paris)
  • 13. - 20. Januar: Unternehmensführung, Finanzierung, Verhandlungstechnik und Marketing in Korea (Mailand)
  • 12. - 23. Februar: Koreanische Sprache und Kultur (London)

Korea Immersion Module (03.2007 - 11.2007)

  • 5. März: Ankunft in Korea
  • März - Juli: Intensivkurs Koreanisch in der Yonsei University, Seminare über Geschäftspraktiken des Sangnam Institute of Management
  • August - Oktober: Praktikum in einem koreanischen Unternehmen
  • November: Feierliche Überreichung des Diploms

ETP-Partner

Alles in allem wird das wohl eine recht anstrengende, aber zugleich interessante Zeit werden. Ich freue mich drauf! (Und Jin-A auch... :-)

18. Juni 2006

Persönlichkeitstest

Nachdem ich meine Bewerbung bei der Europäischen Kommission eingereicht hatte, bekam ich die Nachricht, dass diese akzeptiert und ich zu einem persönlichen Interview eingeladen wäre. Vor diesem Termin jedoch wurde ich gebeten, mich online einem Persönlichkeitstest von der belgischen Personalberatung DeWitte & Morel zu unterziehen. Ein Klick auf den in der Einladungsmail mitgeteilten Link verriet mir, dass es sich um den sogenannten "Business Attitude Questionnaire (BAQ)" handele, bei dem einige Eigenschaften des Probanten erhoben werden würden. Da ich ein neugieriger Mensch bin und mich ungern Untersuchungen unbekannter Zielsetzung unterziehe, habe ich vorher ein wenig recherchiert. Das Unternehmen verrät auf seinen Internetseiten jedoch nichts über dieses Instrument und so bemühte ich Google. Allerdings wurde ich erst auf spanischen Internetseiten fündig, da der Ersteller des Fragebogens wohl diesbezügliche Transparenz nicht für hilfreich hält.
Herauszufinden war folgendes: Es werden emotionale Stabilität, Extrovertiertheit, Einstellung gegenüber Veränderungen, Altruismus und Verantwortungsbewusstsein sowie Professionalität erhoben. Dieses Instrument soll Klienten dazu dienen, zukünftige Verhaltensweisen ihrer Bewerber vorherzusagen. (Quelle: CincoDias.com) Na denn. Solchermaßen informiert, begann ich den Test und beantwortete die 150 Fragen im Stile von "I usually keep calm", "I like to be actively involved in the conversation", "I like to start a new assignment" etc. Interessant fand ich die doppelte Bewertungsskala. Zunächst mussten die Aussagen einzeln auf einer fünfstufigen Skala (stimme zu bis stimme nicht zu) bewertet werden und alle Aussagen anschließend in eine Rangfolge der Zustimmung (stark zutreffend bis nicht zutreffend) gebracht werden. Wahrscheinlich soll man so inhärente Widersprüche bei nicht wahrheitsgemäßen Antworten aufdecken können. Ich bin ja mal gespannt auf das Ergebnis der Auswertung - in einigen Wochen kann ich Feedback zu meiner Bewerbung bekommen. Das werde ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Bis dahin heißt es: Daumen drücken! Auch hier ist übrigens ein aufschlussreicher Persönlichkeitstest zu finden.

30. Mai 2006

Nach Korea beworben

Alles fing damit an, dass ich Lust verspürte, zum Ausgleich zur Arbeit hier in München Koreanisch zu lernen. Weil Jin-A zwar keine Muttersprachlerin ist, aber zumindest doch fließend Koreanisch spricht und es sicherlich spannend wäre, mal gemeinsam nach Korea zu reisen und zumindest ein paar Brocken sprechen zu können. Erstaunlicherweise ist es aber selbst in einer Stadt wie München schwierig, einen Sprachkurs für diese Sprache zu finden. So bin ich dann nach einigen Recherchen zufällig auf das Executive Training Programme (Broschüre) der Europäischen Kommission gestoßen. In diesem wird Führungskräften notwendiges Basiswissen vermittelt, um in Japan und Korea erfolgreich Geschäfte machen zu können. Also Sprache, Kultur, Geschäftsgepflogenheiten, Landeskunde etc. Genau das, was ich suche. Die Bewerbung ist an einige Bedingungen geknüpft, da die Kommission das Ziel verfolgt, die Geschäftsbeziehungen mit diesen Ländern über dieses Programm zu fördern. Man benötigt u. a. ein Unternehmen (den "Sponsor"), welches das Vorhaben unterstützt und dieses muss einen Business Plan für Korea vorweisen. Da mir das Progamm so interessant erschien, habe ich mich auf die Suche nach dem Sponsor gemacht, Überzeugungsarbeit geleistet, dankenswerterweise diese Unterstützung bekommen und alle notwendigen Unterlagen zusammengestellt. Unterschriften eingesammelt, alles eingetütet, abgeschickt. Rechtzeitig zur Deadline. Jetzt heißt es Warten. Feedback soll Anfang Juni kommen und dann ggf. eine Einladung zum Interview...